UNTERSTÜTZUNG FÜR ENGERLING-BEKÄMPFUNG GEFORDERT

Besprechung des Maikäfer-Engerling-Befalls auf Dauergrünlandflächen

26.07.2019
MdL Max Gibis (2.v.l.), Amtsleiter Christian Loibl (4.v.l.) zusammen mit den Vertretern des BBV und mit betroffenen Landwirten auf dem Hof von Landwirt Karl-Heinz Irotschek (3.v.l.) bei der Begutachtung der Schäden.
MdL Max Gibis (2.v.l.), Amtsleiter Christian Loibl (4.v.l.) zusammen mit den Vertretern des BBV und mit betroffenen Landwirten auf dem Hof von Landwirt Karl-Heinz Irotschek (3.v.l.) bei der Begutachtung der Schäden.

Zur Besprechung des Standes der Dinge sowie zur Ausarbeitung von konkreten Handlungsempfehlungen in der Thematik des Maikäfer-Engerling Befalls auf Dauergrünlandflächen in der Region hat der Leiter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Regen Christian Loibl zu einer gemeinsamen Besprechung in der Außenstelle Waldkirchen mit anschließendem Besuch eines betroffenes Landwirts eingeladen. Neben den Vertretern des Landwirtschaftsamtes nahmen auch Vertreter aus der Bauernschaft, der Hauptgeschäftsführer des Bayerischen Bauerverbandes (BBV) Oberpfalz Hubert Hofmann sowie der Landtagsabgeordnete Max Gibis teil.

Nach einer Begrüßung durch den Amtschef stellte Markus Niedermeier vom Landwirtschaftsamt die Problematik sowie die Biologie des Maikäfers und der Engerlinge vor. „Grundsätzlich dominiert beim Maikäfer und seiner Larve, Engerlinge genannt, ein dreijähriger Entwicklungszyklus, so dass wir auch in der Vergangenheit in diesem Rhythmus Schadensjahre hatten“, so Markus Niedermeier zu Problematik. Im ersten Flugjahr des Maikäfers wird die Larve gelegt, diese vergräbt sich im Boden. Im zweiten Entwicklungsjahr, dem Hauptschadensjahr kommt der Engerling knapp unter die Oberfläche und frisst sich an den Grünlandwurzeln satt und im dritten Jahr, den Käferentwicklungsjahr entwickelt sich die Larve schließlich zum Maikäfer, der dann im ersten Jahr des neuen Zyklus wieder ausfliegt. „Nach den Schadensjahren 2010, 2013 und 2016 stellen sich in diesem Jahr überdurchschnittliche Schäden bei den Dauergrünlandflächen, die für die Futterproduktion benötigt werden, ein. Dies liegt zum einen an dem Faktor, dass das warme Klima des vergangen Jahres sowie des aktuellen Jahres zu einer explosionsartigen Vermehrung der Engerlinge geführt hat und zum anderen daran, dass auch die Grünlandwurzeln durch die trockenen Perioden bereits sehr geschwächt sind“, erklärte Markus Niedermeier.


Johann Zimmermann vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten ergänzte, dass in diesem Jahr im Raum Freyung-Grainet-Hinterschmiding-Hohenau-Jandelsbrunn-Neureichenau-Waldkirchen nach überraschenden Schäden von rund 100 Hektar im letzten Jahr dieses Jahr bereits Schadensflächen bei 92 landwirtschaftlichen Betrieben in einer Größe von über 500 Hektar gemeldet wurden. „Wir gehen davon aus, dass in diesem Jahr insgesamt 1.000 Hektar Dauergrünlandfläche betroffen und zerstört werden“, so Zimmermann. „Dies führt dazu, dass Landwirte teilweise große Teile ihres Futters verlieren und somit neben den Kosten für die Bekämpfung des Engerlings und den Kosten für die Neuansaat des Grünlandes auch noch teuer Futter zukaufen müssen.“

Amtsleiter Christian Loibl führte aus, dass das Landwirtschaftsamt als kurzfristige Maßnahme den Landwirten in den betroffenen Gebieten Bescheide auf „höhere Gewalt“ ausstellen, so dass KULAP-Betriebe oder VNP-Betriebe, die dem Greening unterliegen, ihre Flächen fräsen dürfen und so den Engerling bekämpfen können. „Trotzdem fallen für die Landwirte Kosten in Höhe von rund 1.000 € pro befallenem Hektar Fläche an, um die Engerlinge zu zerstören und die Fläche neu anzusäen. Dabei sind seine Eigenleistung sowie der Futterzukauf noch nicht berücksichtigt“, so Loibl. „Deshalb brauchen wir zum einen finanziellen Anreiz für die Landwirte, die Engerlinge überhaupt zu bekämpfen und eine Kompensation für die Instandsetzungskosten pro Hektar sowie zum anderen eine langfristige Strategie zur generellen Eindämmung der Engerlinge in der Region“, ergänzten die Berufsvertreter der Landwirte. „Gerade für die langfristige Bekämpfung müssen auch Gelder für die Forschung an den einschlägigen bayerischen Forschungsanstalten freigegeben werden.“

MdL Max Gibis warf ein, dass er zu der Engerlings-Thematik bereits in Kontakt mit der Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber steht. „Bereits mehrfach habe ich auch in den letzten Tagen mit dem Büro der Landwirtschaftsministerin telefoniert. Im Ministerium wird momentan mit Hochdruck an einem Maßnahmenkatalog gearbeitet, um zum einen die Landwirte zu unterstützen und zum anderen auch die Engerling-Problematik in den Griff zu bekommen. Ich werde mich auch noch einmal nachdrücklich für die finanzielle Unterstützung der Landwirte einsetzen, die den Engerling auch aktiv bekämpfen“, so MdL Max Gibis. Hubert Hofmann vom BBV bestätigt, dass sich der Bayerischen Bauernverband mit einem Schreiben an das Landwirtschaftsministerium wenden wird, in dem die Kompensation für die Landwirte und weitere Unterstützungsmaßnahmen sowie auch Mittel für die Forschung gefordert werden.

Nach Abschluss der Besprechung besuchte die Delegation noch den Hof des Landwirtes Karl-Heinz Irotschek in Neureichenau. Dort konnte man sich selber davon überzeugen, wie weit die Problematik bereits fortgeschritten ist und welche Schäden durch den Engerling angerichtet werden. „Das Grünland wird braun und lässt sich wie Rollrasen abziehen“, so Landwirt Irotschek, der große Flächen bereits gefräst und wieder neu angesät hat. „Etwa 80% des Futters für meine Milchkühe müssen dieses Jahr teuer zugekauft werden, weil die eigene Ernte aufgrund des Engerlings ausbleibt. So wie mir geht es vielen Landwirten in der Gegend.“ Nach dem Vor-Ort Besuch war allen Anwesenden die Dringlichkeit der Problematik bewusst und wie dringlich hier Handlungsbedarf besteht. „Wir müssen jetzt alle an einem Strang ziehen und in einem ersten Schritt zügig Anreize für die Bekämpfung der Engerlinge durch die betroffenen Landwirte setzen und in einem weiteren Schritt Ideen sammeln und erproben für eine langfristige Eindämmung der Engerlinge“, waren sich die Anwesenden einig.