Max Gibis erkundigt sich über Asylbewerber

Bürgermeister Alfons Schinabeck informiert den Landtagsabgeordneten über die Asylbewerber in Neuschönau

2014-11-05

Aufgrund der brisanten Lage vor Ort in Neuschönau hat Bürgermeister Alfons Schinabeck den Landtagsabgeordneten Max Gibis zu einem Besuch in die Gemeinde eingeladen, um sich ein eigenes Bild über die Ankunft von zunächst 93 Asylbewerber im ehemaligen Sporthotel „Heidelberg“ zu machen. Relativ kurzfristig kamen vor zwei Wochen in das in eine Notunterkunft umfunktionierte Hotel Asylbewerber aus Syrien, Eritrea und Nigeria an, nachdem der Investor Josef Haberstroh das Hotel in einer „Hau-Ruck-Aktion“ gekauft und an die Regierung von Niederbayern vermietet hatte. Bürgermeister Alfons Schinabeck wollte dem Abgeordneten die Situation vor Ort mit der Absicht, bisherige Versäumnisse der Regierung von Niederbayern sowie Probleme beim Krisenmanagement auch an die Bezirks- sowie an die Staatsregierung weiter zu geben, vor Augen führen.

 Bürgermeister Alfons Schinabeck (l.) informierte MdL Max Gibis über die Asylbewerber in Neuschönau

Zunächst schilderte Bürgermeister Schinabeck dem Abgeordneten die Chronologie der Ereignisse der Ankunft der Asylbewerber in Neuchönau. Er betonte, dass die Gemeinde sowie zahlreiche Ehrenamtliche von Anfang an alles Mögliche taten und auch noch tun, um die Situation zu bewerkstelligen und den Asylbewerben einen angenehmen Empfang zu bereiten. „Auch wenn es sich nur um eine Notunterkunft handelt, sollten die Asylbewerber in Neuschönau gut versorgt werden. Vor allem freut mich, dass auch die Bevölkerung hilft, wo sie nur kann und die Asylbewerber warmherzig aufgenommen wurden“, so Alfons Schinabeck. Bezüglich einiger Punkte übte der Bürgermeister allerdings Kritik, die der Abgeordnete Max Gibis an die zuständige Bezirks- und die Staatsregierung weiterleiten sollte. So fühle man sich teilweise schon alleine gelassen, es fehle an Ansprechpartnern und gerade bei medizinischen Notfällen fehle die notwendige Unterstützung, schilderte Schinabeck. MdL Max Gibis versprach das Gespräch mit dem Regierungspräsidenten Heinz Grundwald zu suchen, um die Fehler beim Krisenmanagement beim nächsten Mal zu vermeiden. Er betonte allerdings auch, dass es selbstverständlich kein Handbuch für solche Vorgänge gebe und sich momentan alle zuständigen Stellen ebenfalls im Krisenmanagement-Modus befinden. „Von daher bin ich dankbar und auch stolz, dass die Gemeinde Neuschönau die Asylbewerber so freundlich aufgenommen hat und die schwierige Situation nach Kräften bewältigen konnte“, so MdL Max Gibis.

 Etwas unzufrieden zeigte sich Bürgermeister Alfons Schinabeck noch über den schlechten Informationsfluss, so wurde er nur wenige Stunden vor der Ankunft der Asylbewerber, die zuvor in Kellern des Olympiastadions in München untergebracht waren, über deren Ankunft informiert. Außerdem verstehe er nicht ganz, wieso man das Sporthotel „Heidelberg“ dem privaten Investor Josef Haberstroh überlassen habe. „Die Kommune hätte diese Aufgabe genauso gut gelöst. Und nach Ende der provisorischen Unterkunft hätte die Kommune über die weitere Nutzung des Sporthotels als Gemeinschaftsunterkunft entscheiden können“, resümierte Alfons Schinabeck. Zunächst soll das ehemalige Sporthotel „Heidelberg“ für sechs Monate ankommenden Asylbewerbern als provisorische Erstaufnahmeeinrichtung dienen, bis sich die Lage wieder etwas entspannt und in allen Regierungsbezirken zentrale Erstaufnahmeeinrichtungen geschaffen wurden. „Nach Ablauf der sechs Monate befindet sich das ehemalige Hotel allerdings weiterhin im Besitz des Investors, der seinerseits bereits eine touristische Nachnutzung ausgeschlossen hat“, erklärte der Bürgermeister. MdL Max Gibis appellierte daran, Ruhe zu bewahren und auch nach Ablauf der Zeit als Notunterkunft eine Lösung zusammen mit dem Investor Josef Haberstroh zu suchen.

 Letztendlich lud Bürgermeister Schinabeck den Landtagsabgeordneten Max Gibis noch ein, sich direkt vor Ort am ehemaligen Sporthotel „Heidelberg“ ein Bild von der Lage zu machen. Dabei lernte der Abgeordnete den Investor Josef Habestroh persönlich kennen, der versicherte, dass er bestmöglichst für die Unterbringung der Asylbewerber sorge und über seine Pflichten sowie das Zustandekommen des Vertrages mit der Bezirksregierung aufklärte. Etwas unglücklich bezeichnete der Abgeordnete die Tatsache, dass sich momentan noch eine Physiotherapiepraxis im Keller des ehemaligen Hotels befindet und der Mietvertrag einfach mit verkauft wurde. Glücklicherweise wird die Praxis bereits Ende November in neue Räume umziehen.

 Interessant fand MdL Max Gibis die Gespräche mit den Asylbewerbern, die sich auch mit ehrenamtlicher Mithilfe der Integrationsbeauftragen der Gemeinde Neuschönau, Kerstin Halser, selber organisiert haben, so dass mittlerweile eine strukturierte Kommunikation mit allen Flüchtlingen möglich ist. Einige Asylbewerber schilderten ihre Hintergründe und die Problematiken, die sie beschäftigen. Max Gibis zeigte sich beeindruckt davon, dass viele der Flüchtlinge schon nach wenigen Tagen eine intensive Beziehung zur Gemeinde Neuschönau aufgebaut hatten. Denn bei der Abreise von einigen Asylbewerbern, die in Gemeinschaftsunterkünfte in ganz Deutschland aufgeteilt werden, flossen bereits Tränen. Insgesamt bekräftigte Max Gibis noch einmal, dass die Hilfsbereitschaft vor Ort erstklassig sei und dass die Mithilfe der vielen dezentralen Gemeinden, in denen momentan Notunterkünfte geschaffen wurden, auch nötig sei, um die Flüchtlingsproblematik langfristig in den Griff zu bekommen.